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Ortsteile

Geschichte und Entwicklung der Ortschaften Ottenhof und Bernheck

Bis zur Gebietsreform 1972 bildeten die Ortschaften Ottenhof und Bernheck mit dem Weiler Strüthof eine selbständige Gemeinde. In diesem Beitrag soll etwas näher auf die Entstehung und Entwicklung dieser beiden Ortschaften eingegangen werden.

Beim Bau der Autobahn Nürnberg-Berlin wurden im Raum Ottenhof/Bernheck vorgeschichtliche Reste einer Besiedlung dieser Gegend gefunden. Diese Besiedlung hat jedoch mit der Entstehung der beiden Orte nichts zu tun. Die eigentliche Anlage der Ortschaften Ottenhof und Bernheck erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die Neugründung vieler Ortschaften in der hiesigen Gegend rings um den Veldensteiner Forst – auch Bischofswald genannt – ist im größeren geschichtlichen Zusammenhang zu sehen. Durch großzügige Verleihung von Markt- und Stadtrechten ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in der Amtszeit Kaiser Karls IV., welcher von Prag aus residierte, fand eine Art mittelalterliche Landflucht statt. Dies geschah auch in unserer Gegend, da dieser Kaiser das Gebiet zwischen Prag und Nürnberg zur Stärkung seiner Hausmacht als sogenanntes Neu-Böhmen auszubauen trachtete. Zu dieser Entwicklung kam eine erste Pestwelle, was dazu führte, dass viele Rodungen und Siedlungen wieder zu sogenannten Wüstungen wurden.

Anfang bis Mitte des 15. Jahrhunderts kam es in Mitteleuropa und damit auch in unserer Gegend zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, so dass sowohl die Bevölkerung als auch das verarbeitende Handwerk stark zunahm. Gerade in unserer Gegend fand die Eisenverarbeitung für das Wirtschaftszentrum Nürnberg einen Höhepunkt. Diese Eisenverarbeitung bedeutete jedoch einen hohen Bedarf an Holz beziehungsweise Holzkohle, welche durch weitere Rodungen des Veldensteiner Forstes gewonnen wurde.

In diesem Zusammenhang, also sowohl der Ausweitung der Rodungstätigkeit als auch des Bevölkerungswachstums, und der Sicherung der Nahrungsgrundlage, ist die Entstehung beziehungsweise Neuentstehung von Dörfern rund um den Veldensteiner Forst zu sehen. Neben den Ortschaften Ottenhof und Bernheck wären hier weiter anzuführen die Ortschaften Höfen, Mosenberg, Fischstein, Krottensee, Neudorf usw.

Im Gegensatz zu Ottenhof lässt sich die Entstehung von Bernheck ziemlich genau datieren. Nicht weit von der alten Flurgrenze von Plech, entlang der Straße von Plech in den Veldensteiner Forst Richtung Michelfeld entstand eine systematische Rodungssiedlung mit eng aneinander liegenden Anwesen. Die Giebelseite der Wohnhäuser sind zur Straße und die Eingänge zur Südseite gewandt. Hinter diesen Anwesen befinden sich schmale, lang gestreckte Flurstücke. Am Anfang und am Ende des Dorfes befinden sich jeweils an den Eckpunkten Hofstellen mit einer größeren Flächenausstattung. Dabei handelt es sich um die heutigen Anwesen Kalb, Schmidmair, Kropf und Schuster.

Aufgrund von Aufzeichnungen in Kirchenbüchern ist die Anlage dieser spätmittelalterlichen Ansiedlung mit 15 Anwesen auf die Jahre 1477 bis 1479 zu datieren. Es ist heute wohl nur noch selten eine so klare Anlage einer solchen Siedlung erhalten.

Zur Namensgebung sind verschiedene Interpretationen möglich. Sehr oft wurden für die Benennung von Neuanlagen von Siedlungen hergebrachte Flurnamen verwendet. Dies dürfte auch hier der Fall sein. Die Deutung des Namens lässt jedoch zu, dass es sich bei der Flur um eine Hecke mit Beeren oder um ein Vorkommen mit Bären in einer Hecke gehandelt hat. Eine weitere Erklärung des Ortsnamens geht dahin, dass es sich um eine Hecke auf der Pern gehandelt hat. Pern bedeutet im Mittelhochdeutschen eine Anhöhe. So wäre der Ort durch die Rodung einer Hecke auf der Anhöhe entstanden, was auch der topographischen Lage entspräche.

Die Entstehung der Ortschaft Ottenhof ist weniger sicher zu bestimmen. Die systematische Anlage von 24 Hofstellen dürfte in den Jahren 1460 – 1480 erfolgt sein. Eigentlich wird es sich bei dem heutigen Ort Ottenhof um zwei Dorfstellen gehandelt haben. Einmal um die Ansiedlung um den Ottenhof, anzunehmen bei der heutigen Hausnummer 22, und zum anderen um Nöttles oder auch Nöckles genannt, eine Rodung unmittelbar an der Flurgrenze zu Plech gelegen. Bei Letzteren wird in alten Aufzeichnungen von vier Anwesen gesprochen. Dies legt die Annahme nahe, dass diese genannten Hofstellen weitgehend noch mit den heutigen Hausnummern 1 bis 4 identisch sind.

Die gelegentliche Bezeichnung dieses Ortsteiles mit Rotensee dürfte auf eine Vereinfachung der Benennung der Anwesen unterhalb des heute noch vorhandenen Weihers Rotensee zurückzuführen sein. Wie in der abgebildeten Karte zu erkennen ist, ist dieser Rotensee auf einer Karte aus dem Jahre 1530 als Grenzpunkt zu ersehen.

Zurück zur Entstehung von Ottenhof: Wie bereits vorher angeführt, wird die genaue Entstehung des Ortes und der Bezeichnung im Dunkel der Geschichte bleiben. Es ist sowohl möglich, dass es sich bei der ursprünglichen Ortsbezeichnung um eine frühere Wüstung gehandelt hat, welche auf die Bezeichnung Ottenhof oder Hof des Otto zurückgeht oder der Namensgeber ein gewisser Ott Tischner ist, welcher als einer der ersten Siedler genannt ist, kann nicht ergründet werden.

Dass Ottenhof mundartlich sehr oft mit Mottenhof bezeichnet wird, dürfte nicht wie oft vermutet auf die mittelhochdeutsche Bezeichnung Mott oder Mood für Sumpf hinweisen, sondern auf die Zusammenführung der Worte „zum Ottenhof“ zurückzuführen sein.

Eines kann jedoch angenommen werden, dass aufgrund der Ansiedlung der Hofstellen als Haufendorf und Lage der Feldstücke in der Flur die Besiedlung und Anlage des Ortes Ottenhof vor Bernheck zu datieren sein dürfte.

Rechtliche Lage, konfessionelle Schwierigkeiten

Da nachweislich die beiden Ortschaften Ottenhof und Bernheck in den Veldensteiner Forst bzw. Bischofswald eingeschlagen beziehungsweise ausgereutet wurden, betrachtete sie das Bistum Bamberg beziehungsweise das Amt Veldenstein-Neuhaus als in seinem Besitz befindlich. Ebenso behauptete jedoch der Markgraf von Brandenburg-Bayreuth mit seinen Ämtern Pegnitz und Plech die Siedler von Ottenhof und Bernheck als seine Untertanen. Diese fühlten sich auch mehr als Untertanen des Amtes Plech, da die beiden Ortschaften nachweislich, was die Namen der Familien belegen (z.B. Heckel, Seibold), von Plech aus besiedelt wurden.

Dessen ungeachtet kam es vor allem zwischen Bernheck und Plech ständig zu Schwierigkeiten über Viehweiderechte und Rodungsrechte. Insbesondere entstanden Streitigkeiten über die Forstrechte, die eigentlich nach 1400 nicht mehr vom Landesherrn zugesprochen wurden. Die Ortschaften Bernheck und Ottenhof erhielten jedoch als Rodungsdörfer automatisch diese Rechte, die sie bis ins 20. Jahrhundert hinein fast geschlossen ausübten.

In einem Schiedsspruch vom 01. Juli 1538 wurde eine Grenze vereinbart und vom Kastner zu Veldenstein und dem Stadtschreiber zu Pegnitz am gleichen Tage abgeschritten. Dabei wurden den Bernheckern die Wiesen vom Finsterloher Berg und ebenso vom Sewgarten (Säugarten) zugesprochen. Zu erneuten Schwierigkeiten kam es durch die Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth und der Reichsstadt Nürnberg. Im Religionsfrieden von 1555 konnten es die Landesherrn für sich beanspruchen, welche Religion ihre Untertanen anzunehmen hatten. Der Markgraf beanspruchte über Plech mit den Orten Ottenhof und Bernheck die sogenannte Fraisch, was etwa gleichbedeutend ist mit der Gerichtsbarkeit.

Der Bischof von Bamberg beanspruchte die sogenannte civilische Universalobrigkeit und nur darauf käme es an. Da nun Ottenhof und Bernheck der niederen Vogteiligkeiten des Bistums Bamberg unterstanden, ging das Amt Veldenstein im Rahmen der Gegenreformation dazu über, die lutherischen Einwohner von Ottenhof und Bernheck zum katholischen Glauben zurückzuführen. Dieser Befehl des Bischofs von Bamberg wurde mit Anordnung am 20. Februar 1596 von der Kanzel in Neuhaus verkündet. Die Bewohner dieser Ortschaften folgten diesem Befehl wohl recht spärlich, was einer Klage des Besuchs des Weihnachtsfestes in Neuhaus betreffend dem dortigen Pfarrer zu entnehmen war. Diese Streitigkeiten bestanden das ganze 17. Jahrhundert bis weit in das 18. Jahrhundert hinein fort.

Unter anderem führte das einmal dazu, dass ein Ottenhofer Brautpaar, welches in Neuhaus heiraten wollte, vor dem Haus festgenommen, in die Plecher Kirche geführt und protestantisch getraut wurde. Bei dem anschließenden Hochzeitsmahl, welches in Neuhaus stattfinden sollte, wurde die Hochzeitsgesellschaft vom dortigen Pfleger festgenommen und erst auf das Versprechen hin, wieder katholisch zu werden, freigelassen. Ebenso wurde am dritten Pfingsttag 1630 der katholische Pfarrer von Neuhaus, der in Ottenhof taufen wollte, vom Richter zu Plech aufgegriffen, nach Pegnitz geführt und gefangen gesetzt. Diese ständigen Streitereien und die Androhung von hohen Strafen bewog einige Ansiedler ihren Hof zu verlassen und auszuwandern. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Ansprüche vor allem von seiten Bambergs bescheidener, und es wurde den alten Leuten in Ottenhof und Bernheck im Jahre 1717 gestattet, beim evangelischen Glauben zu bleiben.

Man darf hier annehmen, dass die Tendenz des Nachgebens auf beiden Seiten zu verzeichnen war, so dass Ottenhof evangelisch blieb und der größte Teil von Bernheck katholisch wurde. Seit dieser Zeit scheint sich die Lage beruhigt zu haben und es sind keine weiteren konfessionellen Streitpunkte mehr bekannt geworden.

Wirtschaftliche Entwicklungen und Verkehr

Die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Dörfer Ottenhof und Bernheck war weitgehend durch die Landwirtschaft geprägt. Auf Grund der recht geringen Ertragslage waren die Bewohner gezwungen, auch Grenzertragsböden in Nutzung zu nehmen. Dabei nutzte man Flächen landwirtschaftlich, die im 19. Jahrhundert nach Abwanderung von Bevölkerung im Rahmen der Industrialisierung wieder zu Wald geworden sind. In alten Flurplänen lässt sich recht deutlich sehen, dass weite Bereiche bis hin zur Grenze des Staatswaldes im Veldensteiner Forst als Äcker und Wiesen genutzt wurden.

Auf Grund der Grenzlage, eingekeilt zwischen der Oberpfalz, dem Bistum Bamberg mit Amt Veldenstein, der Reichsstadt Nürnberg mit Pflegamtsschloss Betzenstein und der Zugehörigkeit zur Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, verlief die Entwicklung über Jahrhunderte recht ruhig. Bis auf eine größere Zerstörung der Ortsflur in Ottenhof im 30jährigen Krieg und der oben beschriebenen konfessionellen Streitigkeiten gab es für die Bevölkerung keine großen einschneidenden Veränderungen. Die geschichtliche Entwicklung war sehr stark mit dem Kirchort Plech verbunden, was an anderer Stelle beschrieben wird.

Das Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert machte es notwendig, dass verschiedene Anwesen geteilt wurden oder kleine neue Gütlein hinzukamen, um die Ernährung einigermaßen sicherzustellen. Dazu war es notwendig, noch einem zusätzlichen Erwerb nachzugehen. Die Ernährer der Familie oder die nachwachsenden Söhne mussten sich eine weitere Einnahmequelle suchen. Dies geschah oft dadurch, dass man im Staatswald als Waldarbeiter tätig wurde oder ein kleines Handwerk, z.B. eine Schmiede, betrieb. Auch war es üblich, als Zimmermann oder Maurer auf dem Bau und im Winter im Steinbruch oder bei der Kalkbrennerei zu arbeiten.

Doch die Armut führte auch dazu, dass im 19. Jahrhundert die Kinder entweder in die Großstädte oder gar nach Amerika auswanderten. Die Industrialisierung brachte nur einen gewissen Aufschwung mit sich. So wurde beispielsweise von den anliegenden Gemeinden der Weg von Plech nach Pegnitz erneut ausgebaut, und somit die Gegend besser an das Verkehrsgeschehen angebunden. Auch wurde der Feuerschutz verbessert. Bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts beschäftigte sich der Gemeinderat Ottenhof mit der Anschaffung einer „Feuerlöschmaschine“. Zur Gründung der Feuerwehr ist es jedoch erst einige Jahre später gekommen. Der Ausbau des Schulwesens erfolgte mit der Errichtung von Schulhäusern in Ottenhof und Bernheck. Letztere wurde jedoch bald wieder geschlossen.

Einen starken Einschnitt erfuhr das beschauliche Landleben durch den Bau der Autobahn Nürnberg-Berlin in den 1930er Jahren. Hier benötigte man plötzlich viele Arbeitskräfte, die auch von weither, beispielsweise vom Bayerischen Wald, angeworben wurden. Das Bauwerk durchschnitt quer die Ottenhofer Flur. Da anfangs diese Autobahn nur sehr schwach frequentiert war, konnte sie jedoch auch von Fuhrwerken mit benutzt werden und die Böschungen und Raine wurden weiterhin bis in die 50er Jahre hinein landwirtschaftlich genutzt.

Der Zweite Weltkrieg mit all seinen Schrecken hat auch in den beiden Dörfern seine Spuren hinterlassen. Sehr viele Einheimische mussten im Schlachtfeld ihr Leben lassen. Ein Blick auf das Kriegerdenkmal zeigt, dass dadurch einige traditionsreiche Namen in den Ortschaften verschwunden sind. In den letzten Tagen des Krieges wurde noch unsinnigerweise die Autobahnunterführung nach Plech gesprengt, was sehr viele Häuser in Ottenhof in Mitleidenschaft gezogen hat.

Der Flüchtlingsstrom nach dem Krieg brachte sehr viel neue Bevölkerung in die Dörfer. Oft mussten diese Leute unter für uns heute nicht mehr vorstellbaren Wohnverhältnissen leben. Jedoch kamen auch neue Ideen, neue Innovationen in die Dörfer, so dass das Vereinsleben Anfang der 50er Jahre neue Höhepunkte aufwies, die das Zusammenwachsen mit der einheimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen förderte. Erwähnt sei hier nur das Sängerfest 1955 mit Fahnenweihe, das den älteren Leuten in bleibender Erinnerung ist.

In den Jahren 1952/53 wurde in Bernheck die katholische Filialkirche St. Sebastian erbaut und am 06. Juli 1953 eingeweiht.

Durch die Gebietsreform im Jahr 1972 hörte die Gemeinde Ottenhof in ihrer rechtlichen Form auf zu existieren. Sie wurde mit ihren Schulen und sonstigen gemeindlichen Einrichtungen in die Marktgemeinde Plech eingegliedert.

Aber auch in jüngster Vergangenheit haben in den beiden Ortschaften weitere Entwicklungen stattgefunden. So wurde 1993 in Ottenhof ein neues Feuerwehrhaus errichtet, welches zwar in erster Linie der Feuerwehr als Geräte- und Schulungshaus dient, jedoch von der Dorfgemeinschaft für gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenkünfte genutzt wird und nicht mehr wegzudenken ist.

In Bernheck entstand in den letzten Jahren vor allem durch die Tatkraft des Schützenvereins ein modernes Vereinsheim, welches neben der Ausübung des Schützensportes auch Raum für gesellschaftliche Anlässe bietet.

Durch Ausweisung von Gewerbegebieten im Südosten der Ortschaft Ottenhof unmittelbar an der Autobahn werden derzeit die Weichen für eine hoffentlich erfolgreiche wirtschaftliche Weiterentwicklung für die beiden Orte und die Gemeinde Plech geschaffen.

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